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Nachtreffen der Workcamps 2006 in Ysselsteyn, 08.-10.09.2006
"Als ich durch die Kreuzreihen gegangen bin, stand ich plötzlich vor dem Grab eines Soldaten, der den gleichen Namen trägt wie ich und nur ein Jahr älter war, als ich jetzt bin, als er sterben musste." Der 20jährigen Fiona ist die Betroffenheit anzumerken, als sie von ihrem Erlebnis erzählt. Sie ist gerade von einer Führung über die Kriegsgräberstätte zurückgekehrt, die Ingo Federhenn-Vortherms für die 60 Teilnehmer des Nachbereitungstreffens anbietet.

Die Leitungsteams der diesjährigen Workcamps
In diesem Sommer hat er das Workcamp der Jüngsten geleitet. Zusammen mit seinem Team und 22 Jugendlichen im Alter von 13-15 Jahren hat er zwei Wochen in der Jugendbegegnungsstätte Lommel in Belgien verbracht. Gemeinsam führte die Gruppe dort Pflegearbeiten auf der Kriegsgräberstätte durch und lernte die Schicksale von einzelnen Gefallenen kennen. Die vielen Fotos an diesem Wochenende zeigen, dass auch Spaß und Freizeit einen wichtigen Stellenwert hatten.

Zum ersten Mal in Ysselsteyn dabei sind die Teilnehmer des Workcamps Rshew und das Leitungsteam um Thomas Scheck. Der binationale Jugendaustausch mit der Stadt Rshew geht zurück auf die Initiative des Kuratoriums Rshew in Zusammenarbeit mit dem Drostehaus Verl und wurde acht Jahre lang durch Rolf Furtwängler geleitet. In diesem Sommer fuhren die 17 Jugendlichen im Alter von 16-18 Jahren aus Deutschland nun erstmalig unter neuer Leitung nach Rshew, um dort gemeinsam mit 22 russischen Jugendlichen und Betreuerinnen Arbeiten auf dem Friedenspark durchzuführen und die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft im wunderschönen Wolgatal um Rshew zu erleben. In die Russische Föderation zu fahren war für viele der Jugendlichen ein großes Abenteuer und so gibt es beim Lagerfeuer viele spannende Geschichten zu hören. Ganz still wird es am Samstagabend, als die Gruppe sich gegen
Gruppenbild aller Teilnehmer
Mitternacht auf dem Friedhof versammelt. Kerzen begleiten den Weg zum Hochkreuz und der Vollmond spendet so viel Licht, dass die 31.585 Kreuze erschaudernd gut erkennbar sind. Gebannt lauschen die Teilnehmer der Geschichte über die kleine Gaby, die als Baby mit Ihrer Mutter vor dem nahenden Krieg aus dem Osten im Winter 1944 fliehen musste. Eindringlich liest die 19jährige Saskia einen Brief von Gabys Mutter vor, in dem sie ihre Tante um Verständnis bittet, weil sie ihre kleine Tochter vor Erschöpfung im Schnee zurücklassen musste.

Später sitzen die Jugendlichen noch lange am Lagerfeuer im Mittelpunkt der gemütlichen Jugendbegegnungsstätte zusammen. "Manchmal verstehe ich echt nicht, warum wir uns mit diesen schrecklichen Geschichten aus dem Krieg heute immer noch beschäftigen müssen. Meine Generation kann doch gar nichts dafür?", meint einer der Jugendlichen. Daraufhin erklärt ein Workcampleiter, dass wir uns nicht deswegen an diese Zeit erinnern, um uns schuldig zu fühlen. Es geht darum, aus dem Vergangenen zu lernen. Damit sich solche schrecklichen Dinge nicht wiederholen, muss unsere Generation verstehen, dass sie die Verantwortung für die Geschichte von Morgen hat. Bei der großen Abschlussrunde am Sonntagmorgen sind sich alle Jugendlichen einig, ein tolles Wochenende mit dem Volksbund in Ysselsteyn verbracht zu haben und es wird die Frage laut, wann der Katalog für die nächste Workcampsaison erscheint.
www.volksbund-nrw.de
Letzte Aktualisierung: Sonntag, 30.07.2017, 14:48 Uhr