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Mini-Workcamp in der Normandie, 18.-25.08.2007
Am Samstag, den 18.08. ging es von NRW aus los in Richtung Normandie. Das Ziel unserer 11-köpfigen Gruppe war eine kleine Gemeinde in der Nähe von Bayeux, in der ein freistehendes Haus einer Gites als Unterkunft gemietet worden war. Nach einer rund acht-stündigen Fahrt bis Bayeux und weiteren 1 ½ Stunden bis zum Finden der Unterkunft (Ingo ignorierte das Winken der Vermieterin am Straßenrand gekonnt.) konnte das Haus bezogen werden.
Gedenkstein am Omaha Beach


Am darauf folgenden Tag ging es trotz wechselhaftem Wetter gleich los zu den Landungsstränden, deren Geschichte das zentrale Thema unseres Workcamps werden sollte. Zuerst fuhren wir Omaha Beach an und besuchten den dortigen amerikanischen Soldatenfriedhof. Von den fünf Landungsstränden Utah, Juno, Sword und Gold stellte Omaha Beach den längsten zusammenhängenden Strandabschnitt dar, an dem die Landung wegen des recht schnell und steil aufragenden Küstenstreifens besonders viele Opfer forderte. Als wir den Weg zum Strand hinuntergingen, war die Vorstellung der voll bepackten Soldaten, die versuchten unter Beschuss den mit Hindernissen versehenen Strand hinauf zu rennen, allgegenwärtig.
Dennoch wirkte der heutige Strand, nur den Naturgewalten ausgesetzt, sehr friedlich, würden nicht noch Reste der deutschen Verteidigungsanlagen an seine Geschichte erinnern. Im Anschluss besuchten wir ein nahe gelegenes Museum, das uns mit einem Film und einer Reihe gut erhaltener Exponate den Ablauf der Landung näher brachte.
Künstlich angelegter Hafen bei Arromanches


Am Abend ging es noch nach Arromanches, einer kleiner Küstenstadt, die durch den künstlichen Hafen, der von den Alliierten errichtet worden war, damals traurige Berühmtheit erlangte. Einige der ehemaligen Hafenteile sind bei Ebbe sowohl im Wasser als auch direkt am Strand auszumachen.

Am zweiten Morgen schien überraschend die Sonne, so dass wir gut gelaunt nach La Cambe zu unserem ersten Arbeitseinsatz fuhren. La Cambe ist mit rund 21.000 Gefallenen der größte deutsche Soldatenfriedhof in der Normandie. Unsere Arbeit bestand aus Putzen der Steinkreuze am Boden, die durch einen plötzlich einsetzenden Regenschauer während der Mittagspause unterbrochen wurde. Ebenfalls im Regen besuchten wir am Nachmittag Saint-Mère-Eglise, eine kleine Gemeinde, die durch Fallschirmjäger als erste Stadt von den Alliierten befreit werden konnte. Die Geschichte im Detail dazu schauten wir uns im Museum vor Ort an.
Da der Regen auch am nächsten Tag nicht nachließ, verbrachten wir den Vormittag zunächst mit einem Workshop in der Unterkunft. Als sich am Nachmittag die Sonne jedoch wieder etwas zeigte, nutzten wir die Gelegenheit und fuhren nach Bayeux. Dort besichtigten wir die mittelalterliche Innenstadt sowie die Kathedrale. Da jedoch für den Teppich von Bayeux die Schlangen vor dem Museum eindeutig zu lang waren, fuhren wir stattdessen an den Strand, an dem trotz herbstlicher Temperaturen einige von uns im Meer badeten.
An der Küstenstraße


Am drauf folgenden Tag nutzten wir die frühe Stunde für einen Besuch beim Teppich von Bayeux. Im 11. Jahrhundert entstanden, schildert der gut erhaltene Teppich auf annähernd 70 Metern Länge die Geschichte von der Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer. Da Zeugnisse dieser Art aus dem Mittelalter sehr selten sind, war der Teppich unter touristischen Gesichtspunkten mit Sicherheit ein Highlight der Fahrt. Am Nachmittag fuhren wir die weiteren Landungsstrände ab und bekamen durch die weite Fahrt ein Gefühl für die geographischen Ausmaße der Landung. Einige fast unversehrte Bunkeranlagen sowie Kanonenstände säumten als stumme Zeugen unseren Weg und ließen uns das Grauen der Kämpfe erahnen.
Da es das Wetter am Donnerstagmorgen zuließ, fuhren wir zum zweiten Mal zum Arbeiten nach La Cambe, was wir an diesem Tag dank guter Fortschritte auch abschließen konnten.
La Cambe - Deutscher Soldatenfriedhof

Im Anschluss besuchten wir noch Pointe du Hoc, eine Steilküste, an der es ebenfalls zu heftigen Gefechten bei der gefährlichen Landung kam. Dicht gesäte, unverändert gelassene Bombenkrater zeugen noch heute von diesen Kämpfen.

Am Freitag, dem letzten Tag unseres Workcamps, brachen wir früh in Richtung Mont St. Michel auf. Als wir dort jedoch die zunehmenden Touristenströme beobachteten, waren wir um jede Minute froh, die wir vor den Massen in Mont St. Michel waren. Ein Rundgang führte uns durch die beeindruckende Architektur sowie wechselvolle Geschichte von Kirche, Kloster, Gefängnis und Tourismus.
Mont St. Michel


In der Nähe von Mont St. Michel, jedoch abseits der Touristenroute, besuchten wir einem weiteren deutschen Soldatenfriedhof in Mont-de Huisnes, der als seltene aber nicht weniger ergreifende Gruftanlage angelegt ist.
Am Abend hieß es packen und aufräumen für die Abfahrt am nächsten Morgen, die sich nur durch die verspätete Vermieterin verzögerte. Nachdem das Haus jedoch übergeben werden konnte, fuhren wir nach dieser schönen, ereignisreichen aber auch anstrengenden Woche zurück in Richtung NRW.
Deutscher Gruftenfriedhof
Manuela Ender
Letzte Aktualisierung: Sonntag, 30.07.2017, 14:48 Uhr