Jugendarbeitskreis Nordrhein-Westfalen | JAK NRW
JAK NRW
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
» Aktionen
« zurück zur Übersicht « vorheriges Event | nächstes Event » fotos Fotos von diesem Event ansehen
15 Jahre JAK Nordrhein-Westfalen, 27.-29.03.2009
„Vergesst Euren Namen, Eure Herkunft und Eure Träume, hier in Breendonk seid ihr nichts mehr, nur noch ein Stück, eine Nummer“, mit diesen Worten empfängt uns Michel der die 31 Mitglieder des Jugendarbeitskreises an diesem Samstagmorgen durch die KZ-Gedenkstätte führen wird.

Er ist Belgier und gibt vor, ein SS-Wachmann zu sein der die Gruppe am 28.03.1942 als Gefangene in Breendonk in Empfang nimmt.

„Ich hatte gleich das Gefühl, als wenn mich das Fort verschluckt. Draußen schien die Sonne und hier drinnen war es so kalt und dabei haben wir dicke Schals und Jacken dabei, wie muss es da erst den Menschen damals in Ihrer dünnen Kleidung ergangen sein?“ fragt die 15 jährige Vivien aus Hagen. Michel versteht es eindrücklich, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Vorstellung davon zu vermitteln, unter welch erniedrigenden und entmenschlichenden Bedingungen die etwa 3500 Gefangenen in Breendonk arbeiten und leben mussten, die von 1940 bis 1944 hier eingesperrt waren.

Gute zwei Stunden dauert der geführte Rundgang durch die Gedenkstätte und während dieser Zeit ist es so still geworden in der Gruppe, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Nachmittags setzen sich die Mitglieder des Jugendarbeitskreises in Kleingruppen zusammen und besprechen das Erlebte vom Vormittag. Unter Anleitung des Jugendbeauftragten aus dem nördlichen Münsterland, Ingo Federhenn-Vortherms, der Sprecherin der Regionalgruppe Münster aus dem JAK, Saskia Ahlers und der Landesjugendreferentin des Volksbundes in NRW, Verena Effgen, sprechen sie darüber welche Gefühle sie an diesem Ort erlebt haben und wie sie die Reaktionen der anderen Teilnehmer in der Gruppe wahrgenommen haben.
Abschließend werden die Ergebnisse im Plenum diskutiert und es wird die Frage erörtert, ob solche Besuche in KZ-Gedenkstätten für alle Schüler in NRW zum Pflichtbesuch werden sollten.
Darin sind sich die meisten Teilnehmer einig, an so einem Ort kann man die Mechanismen und die schrecklichen Taten der Nationalsozialisten viel besser verstehen als aus irgendeinem Geschichtsbuch. Aber, darin sind sich auch alle einig:
So ein Besuch muss sehr gründlich vor- und nachbereitet werden, außerdem stellt er eine besondere Herausforderung an die Gruppenleitung dar.
So berichtet die 18jährige Teresa aus Beckum davon wie sie einmal mit ihrer Schulklasse die KZ-Gedenkstätte Teresienstadt bei Prag besucht habe. Dabei habe es keinerlei Vorbereitung gegeben und als eine Schülerin vor Ort in Tränen ausbrach hätten Lehrerin und übrige Schüler nur lapidar gelacht und auch sonst hatte Teresa den Eindruck, dass ihre Mitschüler kaum Interesse an diesem Ort hatten.

Besuche von KZ-Gedenkstätten und Kriegsgräberstätten sind zentrale Elemente der Workcamps des Volksbundes. Dabei werden die Fahrten geleitet durch Mitglieder des Jugendarbeitskreises die sich über das Jahr hindurch bei Fortbildungsveranstaltungen wie diesem JAK-Seminar in Breendonk weiterbilden.


Wichtig in den Workcamps und auch bei JAK-Seminaren ist eine ausgewogene Mischung zwischen historisch-politischer Bildung und einem schönen Freizeitprogramm. So setzten sich die Mitglieder des Jugendarbeitskreises auch am Samstagabend in Lommel im Anschluss an eine Vollversammlung bei der anstehende Aktivitäten über das Jahr geplant wurden und der neue JAK-Flyer vorgestellt wurde in lockerer Runde zusammen und ließen den Abend bei Tischtennis, Tabu und anderen Gesellschaftsspielen gemütlich ausklingen.


Den Abschluss des Wochenendes bildete am Sonntagmorgen ein geführter Rundgang über die Kriegsgräberstätte in Lommel. Im Rückblick auf den Besuch der KZ-Gedenkstätte Breendonk vom Vortag stellte ein JAK-Mitglied die These auf, dass alle Menschen, unabhängig von ihrer Nationalität, sowohl KZ-Gedenkstätten als auch Kriegsgräberstätten wie die in Lommel besuchen sollten.
So könnten sie die Folgen und das Ausmaß von Krieg und Gewalt eindrücklich nachvollziehen und es würde deutlich werden, dass Frieden und Demokratie niemals als selbsverständlich angesehen werden dürften sondern als ein hohes Gut für dessen Bewahrung sich jeder Einzelne einsetzen könne und müsse.
Verena Effgen
Letzte Aktualisierung: Sonntag, 30.07.2017, 14:48 Uhr