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Die RG Köln-Aachen besucht die Burg Vogelsang, 25.04.2009
„Wir sehen es als Aufgabe, Vogelsang zu einem dem Frieden und der Verständigung dienenden, von Toleranz und Menschlichkeit geprägten Ort internationaler Begegnungen zu entwickeln.“
Mit diesem Vorsatz begrüßt das Leiterteam der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang die
unterschiedlichsten Besucher der Ordensburg. Auch eine kleine Gruppe des JAK besichtigte am 30. April 2009 das Gelände der Ordensburg vor dem Hintergrund, dass es sich hierbei um einen „Täterort“ der Nationalsozialisten und somit vielmehr um eine „Gedächtnisstätte“, als um eine „Gedenkstätte“ handelt.

Dem Besucher soll bei der Besichtigung vor allem die gigantomanischen Ausmaße des nationalsozialistischen Größenwahns vor Augen geführt werden, der sich vor allem in der Architektur und der der Baukonzeption Ordensburg manifestiert. Dieser Größenwahn war es schließlich auch, der im Zuge des Holocausts und des Zweiten Weltkriegs tausenden von Menschen das Leben gekostet hat. Ziel der Nationalsozialisten war es, in besonderen ‚Schulungslagern‘ den zukünftigen Führungskader
der NSDAP auszubilden. Zu diesem Zwecke gab der Reichsorganisationsleiter Robert Ley den Bau von insgesamt drei Schulungsstätten in Auftrag, nämlich der NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel, sowie zweier weiterer Schulungslager in Crössinsee (Pommern) und in Sonthofen (Allgäu). Bereits im ersten Jahr (1936) kamen 500 NS-Junker nach Vogelsang, deren Aufnahme in erster Linie durch den Abstammungsnachweis und der Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie bestimmt wurde. Bei Kriegsausbruch wurde die Ordensburg allerdings der Wehrmacht übergeben, die den Gebäudekomplex vor allem während des Westfeldzuges im Jahre 1940 und während der Ardennenoffensive im Jahre 1944 als Truppenquartier nutzte.

Nach Kriegsende wurde das Gelände zunächst von den Briten und später von den belgischen Truppen genutzt, die auf der Ordensburg zunächst die belgische Militärverwaltung unterbrachten. Noch bis 2005 blieb der Gebäudekomplex als Truppenübungsplatz in belgischem Besitz und wurde erst ab dem 1. Januar 2006 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gegenwärtig ist allerdings unklar wie mit dem von den Nationalsozialisten errichteten Bauwerk historisch und politisch korrekt umgegangen werden soll.
Aus diesem Grund ist es von besonderer Bedeutung, die Burg als „Gedächtnisstätte“ anzusehen, die den kommenden Generationen als Mahnung und als ein Ort des kritischen Gedenkens dienen soll.

Nach einer umfassenden und lehrreichen, aber auch mahnenden Führung über das Burggelände, besichtigte die JAK-Gruppe anschließend einen sowjetischen Soldatenfriedhof, der sich in der Nähe der Ordensburg befindet. Hier sollte vor allem den Opfern des NS-Regimes gedacht werden, was den JAK-lern besonders im Hinblick auf die vorherige Besichtigung eines „Täterortes“ besonders am Herzen lag. Im Zentrum des Besuches stand neben einem Kurzvortrag des Friedhofspflegers einen kleine Gedenkfeier, mit anschließender Blumenniederlegung, um einigen der zahllosen Opfern die letzte Ehre zu erweisen.
Die Verknüpfung einer Täter- und einer Opferortsbesichtigung diente in erster Linie dazu, ein historisch umfassendes Bild von den Verbrechen des NS-Regimes zu erhalten. Um die Ausmaße des Holocausts und der nationalsozialistischen Ideologie besser erfassen zu können, war daher auch die Besichtigung eines nationalsozialistischen „Täterorts“ von besonderer Bedeutung.
Anika Mester
Letzte Aktualisierung: Sonntag, 30.07.2017, 14:48 Uhr